Mein Herz hoppelt im Galopp: Die Magie der Abstinenz

Ich korrigiere mich: Der Winter ist NICHT überall gleich grau.

Jedes Mal, wenn ich im Zug sitze und die flache Brandenburgische Landschaft an mir vorbeiziehen sehe – und gerade bei so schönem Wintersonnenschein wie heute – mit den angefröstelten Feldern, den kahlen Bäumen, dann hoppelt mein Herz im Galopp. Anders als in Berlin. Ich möchte damit nicht sagen, dass Berlin nicht auch schön ist – gerade bei so schönem Wintersonnenschein wie heute. Aber…. ich vergesse in der Stadt, wie die Natur aussieht, welche Macht die Natur hat. In der Stadt ist Natur immer nur konstruiert vorhanden, als angelegte Parks oder geduldete Wildnis in einem Gitternetz-Rahmen von Straßen. Stadt ist gebaut, ist erschaffen. In Berlin vergisst man, dass es noch etwas anderes gibt. In Berlin vergisst man die Weite, die Ferne. Der Blick schweift nur von Haus zu Haus, von Ubahn-Station zu Ubahn-Station, von einer Ampelkreuzung zur nächsten. Draußen darf der Blick seine eigenen Strecken wandern, kann selbst entscheiden wohin und wie weit. In Berlin ist der Winter stadtgrau; draußen ist er naturgrau.

Ich weiß, es klingt abgedroschen, platt, wenig originell, aber es trifft zu: Man weiß immer erst dann zu schätzen, was man hatte, wenn man es nicht mehr hat. Dieses Gefühl, was mich bei der Rückkehr nach und beim Verlassen von Gollwitz ergreift, erfasst mich auch immer wenn ich durch die Umgebung meiner Heimatstadt fahre. Ich hatte es auch in Irland, als ich zwei Jahre nach meinem Praktikum wieder im Urlaub dort war. Und selbst als ich letztes Jahr nach mehrmonatiger Abstinenz in Nürnberg vorbeischaute, kribbelte es in Bauch, Herz und Kopf. Egal wo, es ist ein eigenartiges Gefühl, wenn man durch die Straßen läuft, die einem so vertraut sind und doch nie richtig vertraut waren, weil es ja nur ein Bruchteil der Lebenszeit war, den man dort verbracht hat. Und doch ist es etwas ganz besonderes. Wenn man die Gebäude sieht, die Wege, die Orte und Plätze, sich daran erinnert, was mal war und was jetzt nicht mehr ist. Dieses Gefühl ist schwer in Worte zu fassen, eine Mischung aus Melancholie, Vermissen, Freude, Wehmut, Trauer, Magie, Dankbarkeit, Demut, Lachen, Schwermut, Pathetik …. Man kann sich nicht entscheiden, ob man Weinen oder Lachen soll.

Aus diesem gegebenen Anlass präsentiere ich hiermit nun ein paar Impressionen von Gollwitz aus dem letzten Jahr. Dazu habe ich ein paar meiner analogen Fotografien herausgesucht und eingescannt.
Et voilà!