Wer Betten kauft, interessiert sich auch für Fernsehen – OTTO verkauft Kundendaten

Ich kann mich leider nicht mehr genau erinnern, wann ich den ersten Werbe-Brief von Kabel Deutschland hier in Berlin erhielt. Aber es muss spätestens Anfang dieses Jahres gewesen sein. Ich hatte ihn geöffnet und anschließend sofort in den Papierkorb geworfen. Doch seither bekam ich alle paar Wochen denselben Werbebrief. Immer öffnete und kompostierte ich den Brief. Irgendwann ging es mir auf die Nerven und ich strich meine Adresse auf dem Brief durch, notierte „unbekannt verzogen/zurück an Sender“ (ein sehr alter Rat von ich weiß nicht mehr von wem) und gab ihn zurück in die Post. Leider war diese Aktion nicht von Erfolg gekrönt. Nachdem ich zwei weitere Werbebriefe erhalten hatte, entschied ich mich, etwas gegen diese Sache zu unternehmen.

Meine Vermutung war eigentlich, dass ich mal wieder irgendwann an einem Gewinnspiel oder sonst irgendwas teilgenommen hatte, die meine Daten nun an Kabel Deutschland weitergegeben hatten. Ich glaube, das kann jedem Menschen mal passieren, dass man unvorsichtig ist und daraufhin ggf. Werbung erhält.

Mir fiel im Kleingedruckten des Kabel Deutschland-Briefes ganz unten auf der Seite die Information auf, von wem sie die Daten erhalten hatten (Zitat: „Wir bieten Ihnen volle Transparenz“). Genannt wurde die „Schober Information Group Deutschland GmbH“. Also suchte ich im Internet nach dieser ominösen Firma. Und siehe da, ich stieß auf einen Artikel des Stern über Daten und deren LEGALEN Handel, in welchem die Schober Information Group eine sehr große Rolle spielt. Der Artikel an sich ist wirklich lesenswert und hat mich – ehrlich gesagt – auch irgendwie etwas schockiert. Aber er hat mich eben auch ermutigt, mich bei meinem aktuellen Problem mit Kabel Deutschland gegen die Werbung zur Wehr zu setzen.

Ich recherchierte also ein wenig im Internet, wie ich das anstellen und meine Daten aus der Werbeliste von Kabel Deutschland löschen kann. Auf der Seite des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen fand ich diese Seite zum Thema, auf der ein Musterbrief zum Widerspruch gegen die Nutzung der Daten zu Werbezwecken (kurz: Musterbrief Werbewiderspruch) zur Verfügung gestellt wird. In diesem Musterbrief wird nicht nur der Nutzung widersprochen, sondern auch verlangt, offenzulegen, über welche Daten zur betreffenden Person sie verfügen und woher sie diese haben.

Diese Brief-Vorlage benutzte ich zunächst, um mich per Email an Kabel Deutschland zu wenden. Zudem sandte ich den Brief an die Schober GmbH. Drei Tage später erhielt ich von Kabel Deutschland per Email die Rückmeldung, dass sie die Daten von einem Dienstleister namens MediAdress bezogen hätten. Ich war selbstverständlich überrascht, dass ich hier eine andere Information erhielt, als in dem eigentlichen Werbebrief. Ich benutzte den Musterbrief Werbewiderspruch erneut, um auch bei MediAdress meinen Unmut zum Ausdruck zu bringen. Diese antworteten mir relativ zügig mit einem für mich eher verwirrenden Brief. Grundinhalt war, dass sie mir keine Auskunft erteilen können, bevor ich ihnen nicht „das werbetreibende Unternehmen und die Werbeaktion nenne“. Zudem erklärten sie mir, dass Werbung eigentlich nur erfolgt, wenn der Betroffene auch vorher eingewilligt hat. Aber es seien auch „Ausnahmeregelungen seitens des GesetzgebersMediAdress Anlage definiert, die die Verarbeitung oder Nutzung von personenbezogenen und listenmässig zusammengefassten Daten auch ohne Einwilligung erlauben.“ Hierzu wurde mir extra eine Anlage (siehe rechts) mitgeschickt, die offenkundig jemand per Hand markiert hat. Ich bin dennoch einigermaßen verwirrt, denn MediAdress hat mir quasi mitgeteilt, dass meine Daten trotzdem genutzt werden können, selbst wenn ich bei Gewinnspielen vorsichtig war und der Nutzung für Werbung nicht zugestimmt habe.

Bevor ich in irgendeiner Weise reagierte, wollte ich noch auf die Antwort der Schober GmbH warten. Doch dann hatte ich erstmal keine Zeit. Letzte Woche nun erhielt ich einen Brief von Schober, der zweieinhalb Seiten plus eine Seite Anlage umfasst. Die Anlage enthält die Informationen, die in der Schober Datenbank über mich gespeichert sind. Darunter fällt auch eine Auflistung, an wen sie meine Daten weitergegeben haben. An erster Stelle steht die GEZ. Das mag wahrscheinlich kaum jemanden mehr überraschen, dass die GEZ sich solcher Mittel bedient und Adressdaten von Datenhändlern kauft. Zudem wird Kabel Deutschland aufgeführt und eine weitere Firma, die ich nun ebenfalls mit einem Musterbrief anschreiben werde.

Doch das ist noch nicht das Ende vom Lied.Wie bereits gesagt, besteht das Schreiben von Schober aus mehr als zwei Seiten. Darin empfehlen sie mir weiterhin, mich in die von ihnen so genannte Robinsondatei eintragen zu lassen. Dabei handelt es sich um die Robinsonliste des Deutschen Dialogmarketing Verbandes, in die „Anschriften von Privatpersonen, die keine Zusendung adressierter Werbesendungen wünschen“ (Zitat Schober Brief) aufgenommen werden. Ich habe durch diesen Brief das erste Mal von einer solchen Liste gehört, musste aber über diese Empfehlung irgendwie schmunzeln, weil es so absurd ist, welche Mechanismen meine Briefe für mich offen legten. Statt einer solchen Liste sollte es doch wohl eher ein generelles Verbot adressierter Werbung geben, wenn man vorher nicht ausdrücklich der Weitergabe der Daten zu werblichen Zwecken zugestimmt hat. Aber naja, das ist eine andere Sache, von der ich wohl zu wenig verstehe.

Und nun noch die Antwort auf die Frage, was OTTO damit zu tun hat:
Durch den Brief der Schober Information Group weiß ich, dass sie die Daten von eben jener Firma erhalten haben, von der OTTO GmbH & Co KG in Hamburg. Ich war zunächst sprachlos, als ich das gelesen hatte. OTTO, der Firma, von der ich seit letztem Jahr so begeistert war, deren Service ich mehrfach gelobt hatte und deren Social Media-Strategie ich durch einen mir bekannten Mitarbeiter interessiert und wohlwollend verfolgte!? Damit hatte ich wirklich nicht gerechnet und kann mir auch keinen Reim darauf machen, wie das abgelaufen ist. Ich hätte verstanden, wenn ich irgendwo unvorsichtig gewesen wäre, irgendwo bei einem merkwürdigen Gewinnspiel oder an irgendeiner Umfrage teilgenommen und nicht aufmerksam genug gewesen wäre, um der Werbung zu widersprechen. Normalerweise achte ich auch im Internet überall darauf, das Kreuz bei „Zustimmung zu Werbenutzung“ und „Newsletter-Abo“ rauszunehmen. Mag sein, dass ich das evtl. bei OTTO nicht getan habe. Ich kann mich nicht mehr erinnern, ob das irgendwo stand. Fakt ist aber, dass ich OTTO vertraut hatte.

Ich habe letztes Jahr ein Bett bei OTTO über das Internet bestellt für mein neues Zimmer in Berlin. Für die Lieferung bedurfte es selbstverständlich der Angabe meiner Adresse. Sollte ich der Werbung zugestimmt haben, dann nicht mit dem Wissen, dass meine Daten für Werbung an andere Unternehmen weitergegeben (gegen Geld verkauft!?) werden. In begrenztem Umfang hätte ich wahrscheinlich Werbung von OTTO sogar akzeptiert. Doch dass ich Werbung für HD-Fernsehen von Kabel Deutschland erhalte, obwohl ich über kein Fernsehgerät verfüge (schon längere Zeit nicht!), auch nicht beabsichtige eines zu kaufen und mich ausgewiesener Maßen NICHT für Fernsehen interessiere, das begreife ich nicht.

Ich bin sehr enttäuscht von OTTO und zudem sehr verunsichert. Wenn OTTO meine Daten verkauft, kann ich dann überhaupt noch sicher bei ihnen einkaufen? Mein Vertrauen in das Unternehmen ist erschüttert, da kann noch so guter Service auch nicht mehr helfen.

             
Update (17.12.)
Ich habe am Tag nach der Veröffentlichung des Beitrags Post von Otto erhalten, weil Schober ihnen meinen Werbewiderspruch weitergeleitet hatte. Ist aber ein Standardbrief mit der Information, dass sie die Einstellungen im Bezug auf Werbung an meinem Kundenkonto geändert haben in „Keine Weitergabe der Adresse an Dritte“ und „Keine adressierten Werbemittel“. Und sie weisen auch, wie Schober, auf die Robinsonliste hin. Tut mir leid Otto, aber so ein Standardbrief beruhigt mich überhaupt nicht. Und auch die Einstellungsänderungen machen mich eher wütend, als dass sie mein Vertrauen wieder herstellen, weil die Einstellungen meiner Ansicht nach von Anfang an so hätten sein MÜSSEN und nicht so, wie es gehandhabt wurde: Erst Adresse weitergeben und den Kunden im Dunkeln tappen lassen, und dann ändern und denken, es sei damit getan. Schließlich habe ich die ganze Rennerei mit den Werbewidersprüchen, die ich an verschiedene Einrichtungen schicken muss, weil SIE meine Adresse verkauft haben. Wie wär’s, wenn Sie das Geld, was Sie dafür bekommen haben, einfach an mich überweisen? Dann wären meine Unkosten (Briefporto, Zeitinvestition, innere Aufregung) wahrscheinlich gedeckt.

3 Kommentare zu “Wer Betten kauft, interessiert sich auch für Fernsehen – OTTO verkauft Kundendaten

  1. ansch11 sagt:

    Diese Art von Datenhandel basiert auf dem sogenannten Listenprivileg (http://de.wikipedia.org/wiki/Listenprivileg) und findet ohne Wissen der Verbraucher statt. Eine Einwilligung ist nicht vorgesehen.
    Viele Unternehmen verkaufen ihre Kundendaten auf dem Markt über Spezialanbieter, die sich auf die Vermittlung dieser Adresslisten an andere Unternehmen konzentrieren. MArktführer dabei ist der Otto-Konzern, die Deutsche Post und die Bertelsmann AG. Letztere hat über das Tochterunternehmen AZ Direct allein 2600 solcher Listen im Angebot.

    Wir bloggen zu dem Thema: http://safeaddress.wordpress.com , dort werden die Zusammenhänge im Adresshandel sowie aktuelle Entwicklungen beschrieben.

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  2. […] ein passender Artikel auf einem anderem Blog: Wer Betten kauft, interessiert sich auch für Fernsehen – OTTO verkauft Kundendaten […]

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