wochenlyrik: Mein Schweigen

Unruhig tanzend
sind die Augen,
sehen dich ganz fragend an,
flattern in die Nacht hinaus …

Der ganze Körper
ist ein Rauschen,
so als trage er
Ozeane in sich her.

Schweige ich,
ist gar nichts in mir stumm:
Jede Zelle wispert,
jede Faser schreit herum.

 

See bei Dämmerung

 

                                                     

wochenlyrik
der Versuch, jede Woche ein eigenes Gedicht zu posten – alt/neu, fertig/unfertig, …

Ich bin unzufrieden! – Und das liegt nicht an Facebook

Es war einmal eine Studie über Facebook….. Eine!? Viele!!! Und jetzt kommt eine weitere hinzu, die u.a. federführend von (an?) meiner Universität durchgeführt wurde. Aber Achtung: Dies wird kein positiv-huldigender Beitrag…

Es geht um die in diesen Tagen veröffentlichte StudieEnvy on Facebook: A Hidden Threat to Users‘ Life Satisfaction?„, in der Dr. Hanna Krasnova (HU Berlin) und Wissenschaftler der TU Darmstadt gemeinsam 600 Facebook-Nutzer zu ihren Gefühlen bei der Facebook-Nutzung befragten. Ergebnis: Facebook mache unglücklich und führe in eine so genannte „Neid-Spirale“ (Bezeichnung der Wissenschaftler). Der Leser möge bitte zumindest die verlinkte Pressemitteilung der HU Berlin lesen oder einfach bei Google danach suchen – da ist die Studie gerade ganz oben in den Rankings und alle namhaften Medien geben die Ergebnisse wieder (u.a. Spiegel Online).

Ich möchte hier nicht darüber diskutieren, welche Auswirkungen Facebook hat, ob es glücklich oder unglücklich macht etc. Es gibt bereits genügend Studien, die auch ganz andere Ergebnisse liefern als die gerade publizierten. Hier sei nur beispielhaft auf ein paar verwiesen: Eine Studie postuliert, dass die Selbstdarstellung bei Facebook die gleichen Belohnungsprozesse im Gehirn auslöst wie Sex, Geld und Essen, und somit glücklich macht. Eine weitere sagt ebenfalls, Facebook mache glücklich, aber aufgrund des dadurch gestiegenen Selbstbewusstseins und der damit gesunkenen Selbstkontrolle nehme man auch zu. Zudem gab es auch in den USA bereits eine Studie, die einen ähnlichen Zusammenhang zwischen Facebook-Nutzung und Unzufriedenheit herstellt wie die Krasnova-Studie (wenn auch mit einer leicht anderen Konnotation).

Ich glaube, wir können uns einig sein, dass es eine Vielzahl von Studien zu diesem Thema mit einer Fülle an Ergebnissen gibt, die auch je nach Absicht und Perspektive, sowie je nach Art der Studie – quantitativ oder qualitativ – unterschiedlich ausfallen. Und wir sind uns, denke ich, einig, dass jede Studie einen Teil zur Debatte beiträgt. So sehe ich persönlich jede einzelne Studie als Element eines lebhaften Diskurses und NICHT als alleinige Antwort auf die Fragen des Diskurses. In diesem Sinne bin ich auch den Forschenden der Krasnova-Studie dankbar für ihren Beitrag.

Der Unterschied der Krasnova-Studie zu allen anderen: Ich habe persönlich daran teilgenommen. Und ich habe nicht nur an der eigentlichen Studie teilgenommen, sondern bereits am Pre-Test der Erhebung. Ich konnte also vor der eigentlichen Befragung sogar noch meine Meinung kundtun über den Fragebogen. Leider kann ich mich nicht mehr explizit an alles erinnern, auch nicht genau an mein Feedback, das ich gegeben habe. Doch als ich über die Ergebnisse las, war ich einigermaßen erschrocken. Während ich nämlich im letzten Jahr an der Befragung teilnahm und teilweise völlig konträre Antworten zu dem gab, was die Forschenden vorgaben, konnte ich mir nicht vorstellen, dass Nutzer tatsächlich solche Emotionen in der Masse vertreten. Und jetzt muss ich in großen deutschen Medien die Vereinfachung lesen: Facebook macht unglücklich und super-neidisch und es wird auch noch immer schlimmer, je länger man Facebook nutzt!!!!

Dabei stimmt dieses Ergebnis ja überhaupt nicht: Wenn man in der Pressemitteilung genau liest, dann entdeckt man, dass nur ungefähr ein Drittel der befragten Nutzer mit solchen Gefühlen (wie Neid und Frustration) auf die Facebook-Nutzung reagieren. Korrekterweise müsste die Überschrift der Ausgewogenheit halber heißen „Nutzer verbinden überwiegend positive Gefühle mit Facebook – negative Gefühle aber auch stark präsent“ oder sowas in der Art. Ein Forscher, der offensichtlich quantitativ arbeitet, muss dann auch seinen eigenen Zahlen folgen und sich statt auf die Minderheit (1/3) auf die Mehrheit (2/3) konzentrieren. Es sei denn, er hatte bereits vorher entsprechende Annahmen, die er einfach nur bestätigen wollte und die Ergebnisse dann kurzerhand leicht umdeutet. So landet man auch ganz prominent in der BILD-Zeitung. Die verkauft der Masse der Bevölkerung dann, Facebook mache unglücklich und sei einfach nur schlecht. Und das obwohl die Zahlen etwas ganz anderes sagen. Aber wen bei der BILD interessiert das, wenn man doch die Pressemitteilung einer so renommierten Universität wie der Humboldt-Uni zu Berlin vorliegen hat, die auch sagt „Facebook ist schlecht“?

Ich gebe zu, ich würde einer solchen Studie auch glauben und nicht genau hinschauen. Nur wie gesagt: Diese hier ist anders, weil ich selbst Studienteilnehmerin war. Schon beim Pre-Test war ich erschrocken über die Studie, weil sie sehr einseitig ausgelegt war und Antwortmöglichkeiten in eine bestimmte Richtung drängten. Ich verwies in meinen Kommentaren auf die suggestiv wirkenden Fragen und darauf, dass die Antwortmöglichkeiten angepasst werden müssten. Doch in der dann stattfindenden Online-Befragung gab es nur geringfügige Änderungen. Das meiste war einfach so belassen worden.

So wurden die Fragen zum Beispiel selbst eher negativ formuliert und insgesamt auch eher negative Gefühle thematisiert. Es wurde nicht nach anderen Emotionen gefragt, sondern vornehmlich nach Neid, Frust und Traurigkeit. Dass dann solche Ergebnisse rauskommen, braucht niemanden zu wundern. Ich selbst habe teilweise Fragen gar nicht wirklich beantworten können, weil sie mir überhaupt nicht die Möglichkeit gaben, mich anders zu äußern, als dass ich mich negativ fühle bzw. negativ zu fühlen habe.

Dass es in den Ergebnissen jetzt so dargestellt wird, als wären alle Facebook-Nutzer neidisch und frustriert, ist einfach absurd. Zumal man betonen muss, dass 600 Befragte (!!!!!) absolut wenig und nicht repräsentativ sind. Und man muss bedenken, dass die Befragung NUR online durchgeführt wurde und von vornherein bestimmte Nutzer ausschließt. Und es wird auch überhaupt nicht thematisiert, dass ggf. hauptsächlich Nutzer an so einer pre-determinierten (schon als Studie über negative Gefühle angekündigten) Befragung teilnehmen, die tatsächlich solche Gefühle schon verspürt haben, damit die endlich mal einen Ausdruck finden.

Ich möchte hiermit wirklich nicht sagen, dass es die negativen Gefühle nicht auch auf Facebook gibt – schließlich ist Facebook nur ein Teil unseres Lebens und unterliegt genauso sozialen Zusammenhängen. Es wäre dumm, davon auszugehen, bei Facebook seien bestimmte Emotionen nicht (mehr) vertreten. Es ist auch nicht falsch als Forscher bestimmte Thesen und Annahmen im Kopf zu haben, die man gern mit einer Studie überprüfen möchte. Nein, das ist sogar ein normaler Prozess: Denn, wenn man keine Idee im Kopf hat, wozu sollte man dann überhaupt eine Studie durchführen? Aber es ist verkehrt, wenn diese Vorannahmen bereits eine gefestigte Meinung darstellen und somit den Gestaltungsprozess einer Studie beeinflussen. Und es ist auch falsch, aufgrund dieser Vorannahmen nur Zahlen für relevant zu halten, die sie auch bestätigen.

Ich frage also: Wo ist die Zweidrittel-Mehrheit der Studienteilnehmer, die es auch ungerecht findet, für ein Postulat wie „Facebook macht unglücklich“ herhalten zu müssen, obwohl sie anders geantwortet haben? Ich jedenfalls bin jetzt total unzufrieden! (Und das liegt nicht an Facebook!Anm. f. d. Macher der Studie)

wochenlyrik: Momente erwartend

Ich warte

auf Sonne,
auf den Moment,
der mich trägt,
auf eben jene Tage,
die unverkennbar mein eigen sind,
darauf, den Atemzug
meine Lunge füllen zu spüren,
damit die Kraft über die Schwäche siegt,
darauf, dass Licht werde
in meinen Augen,
in meinen Gedanken,
in mir,
auf dich,
warte ich

Ich warte

Seekunst

 

                                                     

wochenlyrik
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