wochenlyrik: Die Mücke/Der Elefant

Wir sagen „immer“
und meinen,
dass uns jetzt gerade
etwas gestört hat
an eben jenem geliebten Menschen,
dass ein Fehler gemacht wurde
gerade eben jetzt;

Nur jetzt
– im Augenblick des Ärgers –
erinnern wir uns
all der Wut,
des Zornes
und der Unzufriedenheit
unseres gesamten Lebens
und meinen,
es sei nie anders gewesen.

Wir machen aus der Mücke einen Elefanten,
weil unser Geist genügend Zeit hatte,
Zeit unseres Lebens,
und die er auch genutzt hat,
Zeit diese Metamorphose durchzuführen.

Und nun
da der vielwerte Mensch
uns gegenüber
eine kleine Maus zu uns schickt,
erstarrt der Elefant in uns
und bäumt sich auf vor Angst;
der Vorwurf:
Wie konntest du nur? Immer bist du so…

Warum trägst du einen Elefanten mit dir rum?
Warum tragen wir alle so einen Elefanten mit uns rum?
Die Mücke wäre doch viel leichter …

 

                                                 
wochenlyrik
der Versuch, jede Woche ein eigenes Gedicht zu posten – alt/neu, fertig/unfertig, …