wochenlyrik: Berg und Tal

Gipfelwanderer

Ich baue mein Haus
in einem Tal,
ganz weit unten –
das ist meine Wahl;
ich wohne im Schatten,
versteck mich darin,
ich trete nicht raus,
denn ich frag mich, wohin.

Ich sehe den Himmel
und ich weiß,
es gibt Licht,
doch in meinem Haus
erreicht es mich nicht.

Ich kenn auch den Gipfel
und seine Brise ganz gut,
ich war schon mal da,
ich hatte den Mut;
doch warm ist mein Haus
und hell noch dazu,
ich lebe doch sicher,
was brauch ich denn noch?

Manchmal da klettern welche hinauf,
zum Gipfel, ans Licht,
ich mach mir nichts draus;
ich sehe sie wandern,
mein Herz wandert mit,
ich beneide sie alle,
denn ich vermisse den Wind

 

                                                 

wochenlyrik
der Versuch, jede Woche ein eigenes Gedicht zu posten – alt/neu, fertig/unfertig, …

wochenlyrik: Botschaften

Kopfhörer

Wie oft in meinem Leben
habe ich mir gewünscht,
der Mensch,
dem ich gerade
so viel sagen will,
würde denselben Song hören
wie ich
und wissen,
dass ich ihm diesen schicke,
damit er endlich sieht,
wie ich fühle,
was ich denke,
damit er mich versteht
?

Doch jeder hört in einem Song
nur, was er selbst darin entdeckt.
Einem Gedicht ergeht’s da gleich:
die Botschaft ist vorhanden,
sie hat nur nicht gereicht.

                                                 

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wochenlyrik: Irrland

Irrland

Es waren Mythen,
die ich hörte
und Träume daraus spann,
die mich ins Fremde zogen
ohne Wiederkehr;

wohin ich kam,
so gar nicht unbekannt,
und doch
hab ich mich
gleich verirrt;

Im Grün
verlor ich mich
und fand mich
dann im Meer,

da bin ich nun
und bleibe auch,
wie Fabelwesen
das so tun

                                                 

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