wochenlyrik: Sonne atmen

Haare

Du schüttelst den Kopf,
deine Haare frohlocken,
gibst ihnen Zeit
zu leuchten,
Licht zu sammeln
und damit zu begeistern;

dein Lachen klopft
den Staub
von meinen Sinnen,
bannt mich
in die Farben
deiner Beobachtung;

du scheinst
Sonne zu atmen,
doch nie
zu verglüh’n,
und dein Funkeln
lässt mich wieder seh’n

                                                 
wochenlyrik
der Versuch, jede Woche ein eigenes Gedicht zu posten – alt/neu, fertig/unfertig, …

wochenlyrik: Nur ein Mal

Mund

Für Dich
nur ein Mal
deswegen und deshalb –
Grundlos wichtig:
Tränen.
aufbewahrt
entbehrlich

Für Dich
nur ein Mal
tonlos atmen
ohne Luft zu holen.

Für Dich
nur ein Mal
kurz erdacht
ohne Kenntnis
Wort zu Wort –
mundlos sprechen

Dich
nur ein Mal
sanft einnehmend:
Gesten.
verdeckt
zögerlich

Für Dich
nur ein Mal
fort

                                                 
wochenlyrik
der Versuch, jede Woche ein eigenes Gedicht zu posten – alt/neu, fertig/unfertig, …

wochenlyrik: Menschliches Versagen

Einzelmensch

Ich funktioniere nicht.

Ich laufe
und komme nicht vorwärts;
ich blicke in die Welt
und sehe nichts;
ich atme,
aber bekomme keine Luft.

Ich funktioniere nicht.
Irgend etwas läuft
schief in meinem Organismus,
eine ganze Sandwüste
im Getriebe,
vergessen Motoröl
aufzufüllen

Ich funktioniere nicht.

Mangel überall:
Dirigent ohne Noten,
Regisseur ohne Crew,
dem Orchester fehlen Instrumente,
dem Drehbuch der Text.

Du funktionierst nicht
– sagst du mir
und misst mich
mit deinem Maß.

 

                                                 
wochenlyrik
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