wochenlyrik: Aufbrechen

Zuggleis - Aufbrechen

Ich halte deine Hand,
sehe dir in die Augen;
es ist nicht gut,
dass du weinst.
Ich versuche, mit dir zu gehen –
wohin, das weiß ich noch nicht.
Ich glaube deinen Worten,
beobachte deine Schritte ganz genau;
Du träumst und denkst allein.
Was werden wird –
das kann ich dir nicht sagen.

Deine Haut fühlt sich klebrig an,
meine ebenso;
Ich spüre dein Zögern und deine Angst;
Du zitterst unter deinen Tränen.
Meine Hände halten deine Wangen,
mein Blick ruht auf dir;
du redest nicht,
du weinst.

 

                                                 

wochenlyrik
der Versuch, jede Woche ein eigenes Gedicht zu posten – alt/neu, fertig/unfertig, …

wochenlyrik: Ich warte noch

Tür

Ich öffne das Fenster,
ein Fenster zu dir,
ich spare nicht
an Worten,
lasse dich
mit meinen Augen sehen,
schenke dir Gedanken,
widme dir meinen Puls

Ich öffne dir die Tür,
die Tür zu mir,
du trittst nicht ein,
verschwindest schweigend

Ich schließe langsam die Tür –
nicht ganz,
ich lasse
einen Spalt
                                                 
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wochenlyrik: Fünfundsechzig

Oma

Von Alters wegen
traurig sein?
Nicht nötig!
Furchen in der Haut
sind Wege,
auf denen man spazieren geht
sind Notizen
deines Lebens
sind Zeichen für Vergangenheit
wie die Jahresringe der Bäume

Alte Augen
gibt es nicht!
Sie zeigen Seele,
an Erfahrungen, Erinnerungen reich.
Gesehen:
Licht und Dunkel,
Schwarz, weiß, bunt
Menschen
Leben.
Nicht alt, tief sind deine Augen.

Und deine Hände sprechen,
Erzählen Geschichten
von dir, über dich.
Junge Hände können das nicht.

Das Leben zeichnet.
Du bist das Papier.
Und….
kein Kunstwerk ist in der Lage
seinen Schöpfer aufzuhalten.

                                                 
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