wochenlyrik: Botschaften

Kopfhörer

Wie oft in meinem Leben
habe ich mir gewünscht,
der Mensch,
dem ich gerade
so viel sagen will,
würde denselben Song hören
wie ich
und wissen,
dass ich ihm diesen schicke,
damit er endlich sieht,
wie ich fühle,
was ich denke,
damit er mich versteht
?

Doch jeder hört in einem Song
nur, was er selbst darin entdeckt.
Einem Gedicht ergeht’s da gleich:
die Botschaft ist vorhanden,
sie hat nur nicht gereicht.

                                                 

wochenlyrik
der Versuch, jede Woche ein eigenes Gedicht zu posten – alt/neu, fertig/unfertig, …

wochenlyrik: Deine geometrische Form

Ich und mein Opa

Für meinen Opa

 

Für dich hätt ich unheimlich gern
eine eigne mathematische Formel kreiert,
deine Persönlichkeit und dein Leben
am liebsten mit Zahlen und Variablen beschrieben,
doch sind trotz unserer gemeinsamen Zeit
mit Algebra, Analysis und Geometrie
leider Worte eher mein Metier.
Doch da ich weiß,
das stört dich nicht,
bin ich mir sicher,
auch ein Gleichnis wär dir recht.

An ein Rechteck erinnerst du mich,
das ist so schön gerade,
so auf-RECHT,
nicht so schief und krumm,
ein Rechteck ist stabil; das kippt nicht um.

Wenn man es aber doch mal auf die Seite legt,
erscheint es fast
wie ein offener Mund
und deutet an,
dass auch ein Rechteck lachen kann,
denn auch du hast aufrichtig gelacht
und das vermisse ich so arg.

Außerdem steht in nem Buch
deine Hoffnung, dein Gesuch,
auch für deine Ecken und Kanten
in Erinnerung zu bleiben.
Glaub mir, daran brauchst du nicht zu zweifeln,
denn sicher führen wir bisweilen
in unseren Gedanken den Beweis:
In keinem Fall warst du ein Kreis!

Und zum Schluss ist noch zu sagen,
ein Rechteck ist auch irgendwie ein Rahmen.
Deine Form hat mir gegeben
einen Rahmen für mein Leben.

wochenlyrik: Self Storage

Obstkisten

Self Storage – Dein Lagerraum
für Dinge, die du liebst,
aber keinen Platz hast.

Vorstellungen liegen abgepackt,
Träume im Regal,
gestapelte Ideen,
Wünsche alphabetisch sortiert.

Ganz vorn leuchtet
eine Glasvitrine,
Ausstellungsfläche
für hübsch drapierte Glitzerstein-
Glücksmomente;
mit Panzerglas und
Doppelt-Dreifach-Vorhängeschloss –
deine Angst vor Verlust…

Hinter den Obstkisten
voll Kindheitserinnerungen
kleine und große Kartons
mit portionierter Lebenserfahrung,
geöffnet, abgenutzt,
oder fest in Klebeband gehüllt
und staubbedeckt;
und in der düstren Ecke
bleckt ein silberner Tresor
sein kaltes Metall –
Zahlencode
verschlossne
Traumata;

An der Decke
hängen
Staubfängerlampen
Gewohnheiten,
die du trotz
unbrauchbarer
Glühbirnen
immer noch
aufhebst.

Und Menschen –
Menschen kannst du dort auch
prima zwischen-
parken
bis sie irgendwann
wieder gebraucht werden.

Self Storage – Stell dein Leben ab

 

                                                 
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