wochenlyrik: Am Rande der Stadt

Stadtrand

Ich bin das Gefühl,
das mich trägt
über Nacht,
wo der Tag schläft,
während ich auf morgen warte
und dem Sein ein Lachen abkaufe.
Ich werde eins mit dem Licht,
denn da ist nichts außer Tag
in der Dunkelheit,
vergessen am Rande der Stadt,
die über mich rollt,
als sei ich gestorben;
und sie lacht,
weil das Sein auf micht wartet,
während ich trunken vor Schlaf
in die Nacht gehe,
als sei es meine letzte.

 

                                                 
wochenlyrik
der Versuch, jede Woche ein eigenes Gedicht zu posten – alt/neu, fertig/unfertig, …

wochenlyrik: Stolpertage

Optionen

Wenn die Tage stolpern,
weil sie nicht mithalten können
mit dem Leben,
das wir führen,
weil wir glauben,
es zu müssen,
weil wir meinen,
es sei das einzig mögliche,
erinnern wir uns doch einmal
an jene Tage,
als wir für unser Leben
noch Millionen
von Optionen
kannten
und überzeugt waren,
dass jede einzelne möglich sei.

Und dann sollten wir uns fragen,
was sich denn geändert hat,
dass wir nur eine Version versuchten,
statt ein paar auszuprobieren,
und warum wir
mit wachsender Zahl an Jahren
nicht mal mehr sehen,
wieviele Varianten von Leben
es doch gibt
und warum es
ausgerechnet
diese eine sein muss…

 

                                                 
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wochenlyrik: Jeder Tag

Meer&Wolken

Foto: Stefan Gronau

Ich bin die Welt
entlang gegangen,
habe irgendwas gesucht,
bin auf den Meeren rumgetrieben
und wusste manchmal nicht, wieso.

Ich hab den Weg genommen,
der schon vor mir lag,
und bin verzweifelt,
weil es scheinbar keine andern gab.

Ich hab mich von den Wolken leiten lassen
und wenn die Sonne schien,
hab ich geruht,
hab die Augen zugemacht
und mir gewünscht,
es wär genug.

Und an jedem Tag
wollt ich verschwinden,
plante schon die nächste Flucht,
doch irgendwie bin ich geblieben,
jeder Tag ist ein Versuch.

                                                 
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