wochenlyrik: Deine geometrische Form

Ich und mein Opa

Für meinen Opa

 

Für dich hätt ich unheimlich gern
eine eigne mathematische Formel kreiert,
deine Persönlichkeit und dein Leben
am liebsten mit Zahlen und Variablen beschrieben,
doch sind trotz unserer gemeinsamen Zeit
mit Algebra, Analysis und Geometrie
leider Worte eher mein Metier.
Doch da ich weiß,
das stört dich nicht,
bin ich mir sicher,
auch ein Gleichnis wär dir recht.

An ein Rechteck erinnerst du mich,
das ist so schön gerade,
so auf-RECHT,
nicht so schief und krumm,
ein Rechteck ist stabil; das kippt nicht um.

Wenn man es aber doch mal auf die Seite legt,
erscheint es fast
wie ein offener Mund
und deutet an,
dass auch ein Rechteck lachen kann,
denn auch du hast aufrichtig gelacht
und das vermisse ich so arg.

Außerdem steht in nem Buch
deine Hoffnung, dein Gesuch,
auch für deine Ecken und Kanten
in Erinnerung zu bleiben.
Glaub mir, daran brauchst du nicht zu zweifeln,
denn sicher führen wir bisweilen
in unseren Gedanken den Beweis:
In keinem Fall warst du ein Kreis!

Und zum Schluss ist noch zu sagen,
ein Rechteck ist auch irgendwie ein Rahmen.
Deine Form hat mir gegeben
einen Rahmen für mein Leben.

wochenlyrik: Der langen Reise weiter Weg

Reise/Weg

Ich werde vieles beginngen
und noch mehr nicht beenden;
ich werde eine Menge sehen,
doch nur einen Bruchteil verstehen;
ich werde etwas bewegen,
auch wenn es nur meine Füße sind;
ich werde Ziele erreichen,
wo ich nicht verweile;
ich werde Ruhe suchen,
aber rastlos bleiben;
ich werde weit reisen,
doch ankommen werde ich nicht

 
                                                 
wochenlyrik
der Versuch, jede Woche ein eigenes Gedicht zu posten – alt/neu, fertig/unfertig, …

wochenlyrik: Jeder Tag

Meer&Wolken

Foto: Stefan Gronau

Ich bin die Welt
entlang gegangen,
habe irgendwas gesucht,
bin auf den Meeren rumgetrieben
und wusste manchmal nicht, wieso.

Ich hab den Weg genommen,
der schon vor mir lag,
und bin verzweifelt,
weil es scheinbar keine andern gab.

Ich hab mich von den Wolken leiten lassen
und wenn die Sonne schien,
hab ich geruht,
hab die Augen zugemacht
und mir gewünscht,
es wär genug.

Und an jedem Tag
wollt ich verschwinden,
plante schon die nächste Flucht,
doch irgendwie bin ich geblieben,
jeder Tag ist ein Versuch.

                                                 
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