Bourdieu und die Occupy-Bewegung

Vor einiger Zeit habe ich mich intensiv mit der Occupy-Bewegung befasst. Nachdem nun mein Studium mich „gezwungenermaßen“ auf den Soziologen Pierre Bourdieu gestoßen hat, habe ich mir bei youtube den Film „Soziologie ist ein Kampfsport“ über ihn angeschaut. Allgemein ist der Film sehr empfehlenswert. Aber ich habe darin etwas entdeckt, was ich für relevant halte und was – der Film erschien 2001!!! – bereits vor 10 Jahren von einigen Menschen gesehen wurde (wenn nicht sogar vor noch mehr Jahren): Wir müssen einen neuen Staat erfinden! Wir brauchen nicht mehr oder weniger Staat, nicht mehr oder weniger Regulierung – wir brauchen überhaupt keinen dieser Vergleiche mehr, sondern wir brauchen etwas ganz neues, ein neues System also.

In diesem Gespräch von Pierre Bourdieu und Günther Grass stellen die beiden fest, dass der Staat sich als fortschrittlich verkauft, obwohl er rückschrittlich ist, und die Kritik an ihm daher selbst rückwärtsgewandt wirkt. Der Staat hat es also geschafft, mit seiner eigenen Beschaffenheit den Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen. Darüber hinaus ist es ihm gelungen, sich selbst als unabdingbar in seiner Form darzustellen, woraufhin mehr Staat statt weniger gefordert wird. In einem vor diesem Video liegenden Filmausschnitt erklärt ein Kollege/Mitarbeiter von Bourdieu, das Problem läge darin, dass der Staat alles Soziale (Bildung, Absicherung, …) so weit abgebaut habe, dass es unweigerlich zu Konsequenzen (Gewalt etc.) komme, die wiederum mehr Staat (Polizei, …) verlangten. Im Gespräch von Grass/Bourdieu wird deutlich, dass die Menschen – sogar die, die es eigentlich besser wissen – darauf hereinfallen und mehr staatliche Intervention fordern, das System also am Leben erhalten, welches sie eigentlich kritisieren. Für Grass und Bourdieu gibt es nur eine Lösung: Revolution.

Das stellt Bourdieu auch noch einmal kurz am Ende des Films heraus und forderte damit bereits vor Jahren, was jetzt passiert: OCCUPY!
Ich denke, die Idee einer sozialen Bewegung… das ist die einzige Möglichkeit! Solange Autos angezündet werden, schickt man Polizisten. Wir brauchen eine Bewegung, die auch Autos anzünden kann, aber mit einem Ziel!“ (Ab Minute 8:49 im folgenden Ausschnitt)

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