Aktuelle Eindrücke zur Occupy-Bewegung in Berlin (17.10.2011)

Ich war kurz am Reichstagsgebäude gewesen, um mir anzuschauen, was dort passiert, wie viele Leute dort sind, was das für Leute sind, ob ich Recht habe mit meinen Vermutungen, um was es denn eigentlich geht. Als ich dort hin kam, war es ein sehr kleiner Kreis von vielleicht 50 Leuten, die dort saßen. Ich bekam recht schnell mit, dass sie das Prinzip der Asamblea übernommen haben. Das muss wohl so etwas sein wie eine Volksversammlung. Sie diskutierten gerade darüber Arbeitsgruppen einzurichten, in denen verschiedene Themen bearbeitet werden. Eine Gruppe wollte sich wohl zusammensetzen, um über Internetsachen zu sprechen, eine Gruppe sich um konkrete Aktionen etc. kümmern, eine Gruppe darum, Forderungen anderer Asambleas anzuschauen, um herauszufinden, was auf uns zutrifft und ggf. auch ganz neue Forderungen zu formulieren. Währenddessen wurden immer wieder Einwände gebracht, neben den vielsprechenden Menschen doch auch mal andere zu Wort kommen zu lassen; statt der Arbeitsgruppen erstmal persönliche Statements aller Anwesenden zu sammeln, warum sie eigentlich hier sind. Diese Vorschläge wurden nicht aufgegriffen.

Mich hat dieses ganze Vorgehen sehr irritiert, weil es mich zu stark an die bereits bestehenden Strukturen erinnert hat (Parlament, Ausschüsse, …). Daher fragte ich im Nachhinein noch jemanden, warum man auf so etwas zurückgreift, obwohl man doch eigentlich ganz anders sein will. Er erläuterte mir, dass sowohl zur Asamblea als auch zu den Arbeitsgruppen jeder kommen und gehen kann, ohne Beschränkung, ohne dass jemand sagt, er sei nicht geeignet oder so etwas, also es keine Zugangsbeschränkungen gebe. Dabei fiel das Wort „basisdemokratisch“.

Ich möchte noch eine kurze Anekdote beschreiben: Während der Diskussion um die Arbeitsgruppen meldete sich eine junge Frau und erklärte, dass sie soeben von einem türkischen Fernsehteam, welches für mehrere türkische TV-Sender arbeitet, gefragt wurde, ob sie für ein paar Fragen zur Verfügung stehe. Sie wollte von den Anwesenden wissen, ob das ok ist, weil es ja keine Repräsentanten der Bewegung gibt, sondern jeder als Individuum hier ist. Daraufhin bekam sie die Rückmeldung, dass sie vor der Kamera als Individuum antwortet und dass keiner der Anwesenden weiß, warum SIE hier ist, sondern dass sie das nur von sich selbst sagen kann.

Und hier noch was, was irgendwie meine Meinung doch bestätigt und nochmal gut zusammenfasst:
http://the-babyshambler.com/2011/10/17/pamphlet15o/

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