Kommentar zur Occupy-Bewegung

Ich war noch nicht protestieren, wofür mich vermutlich alle Protestierenden verachten. Aber ich glaube, es geht bei der Bewegung – und das hat Herr Gauck einfach nicht begriffen – nicht um die Banken, sondern um Gerechtigkeit. Es geht – profan gesagt – um eine neue Weltordnung, die wir uns heute mit unserem begrenzten Blick gar nicht vorstellen können. Es geht um das, was auch schon Churchill angedeutet hat: Wir leben in der besten der schlechten staatlichen Organisationsformen (Demokratie), weil wir keine bessere kennen. Aber was spricht heute – in Zeiten der Globalisierung, Überstaatlichkeit, Mobilität, „Migration“, Welt ist ein Dorf, … – dagegen, eine ganz neue Form zu entwickeln???

Gauck nennt die Vorstellungen der Protestierenden „romantisch“. Mag sein, dass hier eine große Portion Naivität mitspielt, aber ich glaube nicht, dass die momentane Organisationsform unser aller Leben festgesetzt ist und bis ans Ende aller Tage Bestand haben wird. Dafür ist sie auch gar nicht ausgelegt.

Und es geht ja auch gar nicht darum, wirklich alles komplett über den Haufen zu werfen. Schließlich ermöglicht die Demokratie zumindest einem großen Teil der Menschen Zugang zu Bildung, Kommunikation und Wissen, (politischer und gesellschaftlicher) Teilhabe, eigenverantwortlichem (wirtschaftlichem) Handeln etc.

Nur wie dies geschieht, ist mittlerweile nicht mehr akzeptabel. Politische Teilhabe funktioniert oft nur über Parteienzugehörigkeit, eigenverantwortliches wirtschaftliches Handeln artet aus in ungemäße Bezahlung so genannter Top-Manager (Top bedeutet in diesem Fall nicht gut, sondern an der Spitze von etwas stehend) und der Zugang zu Kommunikation wird häufig beschränkt.

Ich bin nicht dagegen, dass jemand viel Geld verdient; ich finde es nur absolut inakzeptabel wie sich (manche) Personen mit viel Geld verhalten, wie sie abheben und nicht auf dem Boden bleiben.

Es ist in Ordnung, wenn jemand viel Geld hat, solange er Mensch ist und bleibt, solange er nicht nur für sich denkt, sondern die Gesellschaft einbezieht, solange er mitmenschlich und empathisch agiert.

Das, was Steve Jobs in der Welt der Kommunikation ausgelöst hat, war noch vor 15 Jahren undenkbar. Aber er hat daran geglaubt, dass es nicht unmöglich ist.

So glaube ich heute auch, dass es möglich ist, eine neue, gerechtere, menschlichere Form des Zusammenlebens zu finden und umzusetzen, an die derzeit noch niemand denkt.

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